Da werd‘ ick zu’n Grinch!

Ich hasse Weihnachten – jedes Jahr ein wenig mehr. Der Widerwille regt sich langsam im September, nämlich dann, wenn mich die ersten Weihnachtsgebäckdinger im Supermarkt anspringen. Zum Glück bleibt mir der Konsumterrorkampf um schlechte Weihnachtssüßigkeiten mit dem Kind erspart.

Der Knirps weiß nämlich ganz genau, dass Weihnachtskram ausschließlich im Dezember gekauft wird. Eine kurze Erinnerung nach der obligatorischen Frage reicht glücklicherweise aus. Ein äußerst eindrucksvolles Beispiel dafür, dass Konsequenz in der Erziehung unglaublich wirkungsvoll ist. So konsequent wie in dieser Frage wäre ich wahrscheinlich nur noch in puncto „mit Streichhölzern spielen“ oder ähnlichen, nicht ratsamen Dingen (sicher nicht nur dieses Liedes wegen).

Doch Sie können es sich denken, werte Leser: Wenn sich der Widerwille schon im September regt, kann es wohl kaum besser werden. Nicht mit Kind und auch nicht als privilegierte Innenstadtbewohnerin. Denn pünktlich am ersten Adventssonnabend hat es sich was mit „privilegiert“. Offenbar haben Kleinstadtbewohner und die lieben Mitbürger aus den umliegenden Dörfern eine Art innere Uhr, die pünktlich am ersten Adventssonnabend „klick“ macht. Leider folgt nach dem „klick“ kein Winterschlaf wie bei den süßen Igeln, sondern „DER WAHNSINN“. Ja, werte Leser, „DER WAHNSINN“ in Großbuchstaben. Darunter geht es leider nicht.

IMG_2658Eigentlich herzensgute Damen im mittleren Alter werden zu keifenden, schubsenden Zicken, seriöse Anzugträger stürzen sich auf Kitschangebote als gäbe es kein Morgen mehr. Und sie alle verstopfen an den vier Adventssamstagen Marktstraßen und Geschäfte, die meine bedauernswerte Wenigkeit frequentieren muss, um die alltäglichen Einkäufe zu erledigen – ebenfalls samstags, notwendiges Übel als arbeitende, in der Woche alleinerziehende Mutter. Und mit jedem Vordrängeln, jedem Rempeln und jedem mies gelaunten Gesicht steigt mein Widerwillen gegen Weihnachten fröhlich weiter.

Das Ganze gipfelt dann in dem Wunsch, sie mögen doch bitte alle einfach ihre Geschenke im Internet bestellen  obwohl ich eigentlich von „buy local“ so stark überzeugt bin, dass ich gesuchte Bücher bei Amazon recherchiere, um sie dann beim örtlichen Buchdealer zu kaufen. Leider kann ich nicht einmal behaupten, so eine Kleinstadtinnenstadt wäre einfach zu klein, um den Weihnachtskonsumterror zu fassen. In der nächsten nördlich gelegenen Großstadt verhält es sich nämlich nicht anders – mit dem kleinen aber bedeutsamen Unterschied, dass die Einkaufsstraßen auch unter der Woche völlig verstopft sind.

Und dann wäre da noch der Adventszauber im Kindergarten, mit Weihnachtsliedern untermalt, die zu 80 Prozent irgendwas mit Geschenken zu tun haben. Kein Wunder, dass der Knirps plötzlich meint, alle Spielzeuge haben zu wollen, die ihm so über den Weg laufen. Immerhin hat er schon mal was vom Jesuskind gehört, auch wenn ich drauf wetten könnte, dass er keine Ahnung, wieso das Baby da eigentlich in der Krippe rumliegt.

Glücklicherweise ist der Spuk ja bald vorbei und etwaige Nebenwirkungen wie noch mehr graue Haare lassen sich ja bequem mit roter Farbe überdecken. Na denn: Schöne freie Tage.

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2 Gedanken zu „Da werd‘ ick zu’n Grinch!

  1. Also, die Beschreibung der Innenstadt trifft den Nagel auf den Kopf! Ansonsten finde ich Weihnachten ziemlich toll. Und wenn es gelungen ist, die Wichtigkeit der Geschenke in den Hintergrund zu rücke, kann man mit den Kids fabulös weihnachten. Was das Problem der nervenden Mitmenschen allerdings nicht kleiner macht, das stimmt.

  2. …hast recht, was den umgang der menschen miteinander betrifft… ich sach ja, weihnachten das fest der „schein-heiligkeit“… glücklicherweise hat diese ganze „fest-tagerei“ für mich ’nen relativ niedrigen stellenwert, so dass es mir leicht fällt, mich diesem wahnsinn zu entziehen… und da die festtage ja nicht völlig unangemeldet vor der tür stehen, finden sich meist wege auch dem einkaufstrubel zu entgehen… also nicht unbedingt dem einkauf, aber dennoch dem trubel… 😉

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