Warum der Extremnutzer vor dem Internet geschützt werden muss oder: Wieso die Drosselkom nicht sagen muss, dass sie einfach mehr Geld verdienen möchte

Es ist schwierig, in der heutigen Zeit jemand zu sein, der sich zwar schwerpunktmäßig für ganz bestimmte Dinge, aber ansonsten durchaus auch für den ganzen Rest interessiert. Das kann nämlich schnell dazu führen, dass man seine verfügbare Zeit damit verbringt, sich von dieser spannenden Internetseite zu jener führen zu lassen, sich ständig über Podcasts mit neuen, unbekannten Themenwelten versorgen zu lassen oder bei Youtube von einer Doku zur nächsten zu springen. Von den Mediatheken der Öffentlich-Rechtlichen gar nicht zu reden. Da muss man auch mal einen Schnitt machen können, einzelne Artikel vielleicht nur überfliegen oder einfach auf das Angebot dieser oder jener Seite verzichten, und auch mal Podcasts aus der Feed-Liste werfen, deren Inhalt einem einfach nichts sagt, so gut er auch gemacht sein mag, oder eine gewisse Auswahl darüber treffen, welche Videos man sich denn nun wirklich anschauen möchte und sich nicht womöglich Nächte mit schlechten Videos um die Ohren schlägt.

Das ist ein wirklich ernsthaftes gesellschaftliches Problem – da muss man ran! Um  überhaupt derlei Auswahlmöglichkeiten nutzen zu können, braucht es nämlich die viel beschworene Medienkompetenz, und zwar richtig viel davon. Aber die hat ja nicht jeder. Zumal es ja auch schwierig wird, eben diese bei erwachsenen, mindestens durchschnittlich intelligenten Menschen genau zu benennen oder gar zu bewerten. Also, offline, versteht sich.

Oder warum wird dieses Tageszeitungsdingens mit den vier Buchstaben noch so dermaßen plakativ verkauft, dass es schwer fällt, nicht täglich zumindest die Hauptüberschrift zu konsusmieren, selbst wenn man das eigentlich gar nicht möchte? Oh, Verzeihung, ich schweife ab. Das ist ja das »richtige Leben«, also etwas völlig Anderes. Lässt man sich von Offline-Medien berieseln und/oder informieren, bekommt man auch Informationen mit, die einen vielleicht so überhaupt nicht interessieren, weil man die Informationen nicht völlig filtern kann. Beim Zappen schnappt man dann vielleicht doch mal einen Satz über ein aktuelles Thema auf, das einen nicht interessiert, liest man Zeitung, kommen ja immerhin die Überschrift im Hirn des Lesers an, der diese Information gar nicht haben möchte. Und das ist auch gut so, denn im Internet landet man schnell in einer Art Blase, die nur die eigene Meinung bestärkt, nicht einmal andere Themenkreise auch nur in diese Blase hereinlässt. So einfach ist das nämlich, in diesem Internet.

Das ist nicht von mir, das habe ich (auch) im KulturSpiegel gelesen, als ich den Spiegel  noch abonniert hatte – tatsächlich einer der Gründe, warum das Abo nicht mehr besteht. Es ist nur komisch, dass ich während der Champions League aber so was von informiert darüber war, dass Borussia Dortmund und Bayern München gegen andere Mannschaften gewonnen hatten und deswegen gegeneinander antreten würden. Natürlich war mir das Datum des Finales auch bekannt und selbst der Gewinner ging nicht an mir vorbei, hat sich aber glücklicherweise nur im Kurzzeitgedächtnis einen Platz sichern können, so dass ich die Antwort, wer letztlich Sieger war, mittlerweile zum Glück schuldig bleiben muss. Unnötig zu sagen, dass mich die Champions League nicht im Geringsten interessiert.

Doch meine Erfahrung kann in diesem Fall natürlich keine Referenz sein. Ich fernsehlose, höchstens RadioZuSa hörende, nur ein Zeitschriftenabo habende – und dann auch noch die EMMA! -, tatsächlich auf das Internet Angewiesene, fast Internet-Native-Seiende … ähm … äh … zu sehr online-verhaftete Menschin, die ich bin.

Denn selbst wenn so ein Internetnutzer meint, er hätte Medienkompetenz, aber er möchte nun einmal unglaublich viele Dinge im Netz tun, muss man ja automatisch davon ausgehen, dass der Mensch schlicht kein »Offline-Leben« mehr hat. Oder internetsüchtig ist. Oder die Allgemeinheit der Drosselkom-Nutzer dadurch schädigt, dass dieser Mensch, ja, genau dieser, zu den bösen Extremnutzern gehört, die die Frechheit besitzen, die angebotene Flatrate tatsächlich auch als Flatrate zu benutzen. In den meisten Fällen wohl aber alles zusammen.

Zum Glück hat sich die Drosselkom dieses schlimmen Problems angenommen. Ich darf mich also glücklich schätzen – die Drosselkom wird mich retten. Und wie genau das alles funktioniert, ist in dem Youtube-Video von Mario Sixtus und Alexander Lehmann dargestellt. Damit kann man jetzt noch seine Freizeit verschwenden, ohne an sein Limit zu denken. Vielleicht später auch, falls Youtube ein paar Scheinchen hinlegt. Aber seht selbst:

Oder, kurz gesagt: Die Telekom macht den Internetanschluss damit einfach funktional kaputt. So drückt es Clemens Schrimpe aus, der ganz offensichtlich ganz furchtbar viel Ahnung hat, wie er in diesem – seeehr langen – Podcast eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Und weil der sich herrlich berlinernd herrlich aufregen kann und außerdem noch eine sympathische Stimme hat, hat da jemand glatt einen Song draus gemacht:

Wenn die ganze Chose nicht so himmelsschreiend übel wäre, könnte man sich jetzt einfach darüber freuen, dass die Drosselkom durchaus inspirieren kann. Geht aber nicht. Nicht mal dann, wenn man überhaupt kein Drosselkom-Kunde ist. Denn bekanntlich macht marktwirtschaftliche Gelegenheit Schule.

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Ein Gedanke zu „Warum der Extremnutzer vor dem Internet geschützt werden muss oder: Wieso die Drosselkom nicht sagen muss, dass sie einfach mehr Geld verdienen möchte

  1. …ja ja, so ist das… kaum beeinflussbare Reizüberflutung im OfflineLeben… Problem der Erhaltung der informativen ArtenVielfalt oder endloses Surfen auf Gedeih und Verderb im OnlineLeben… was für ein Dilemma… und jetzt die „Rettung“ durch die Drosselkom… hurraaa… endlich jemand, der sich unser in dieser schnellen und überladenen „Informations-/Irritationswelt“ annimmt, der uns mal ganz „flugs“ zeigen möchte, wie schön und besinnlich doch ein „entflugstes“ Leben in den unendlichen Weiten des Webs (glücklicherweise war die Enterprise nicht auf die Telekom angewiesen) sein kann… wenn das nicht fürsorglich ist… dankbar sollten wir sein… wahrlich dankbar 😉 😀 😉

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