Kindervorlieben

Hätte man mich vor einem Jahr darum gebeten, meinen Knirps mit einem Adjektiv jenseits der Mutterliebe zu beschreiben, wäre mir sofort »klebrig« eingefallen. Es ist einfach so: Dreijährige Kinder lieben Süßigkeiten, können aber nur bedingt damit umgehen, weshalb das Süßigkeiten-Input niemals ohne klebrige Hände abgeht. Meistens ist allerdings noch das Gesicht und jedes einzelne Kleidungsstück involviert. Doch nur, weil Süßigkeiten die klebrigste Variante sind, sind sie nicht das einzige Nahrungsmittel, das dafür sorgt, dass Dreijährige mit dem Attribut »klebrig« zu versehen sind: Egal ob Nudeln, Suppe, Salat oder Auflauf – nach der Nahrungsaufnahme ist das Kind klebrig. Selbst mit Papptellern – Verzeihung: Reiswaffeln – hätte es der Knirps wahrscheinlich geschafft, irgendwie dem Attribut klebrig zu entsprechen – allerdings gehörten besagte Reiswaffeln nur äußerst selten zu den durchaus zahlreichen Nahrungsmitteln, die des Knirpsens Wohlwollen gefunden haben. „Woanders“ wurden die Dinger durchaus mit Begeisterung weggeknuspert, „zu Hause“ erlitten sie den traurigen Missachtungstod, wurden labberig und selbst von den Enten des Ratsteichs verschmäht, die allerdings durch die geballte Aufmerksamkeit von altem Brot besitzenden Familien mit kleinen Kindern als verwöhnt gelten müssen.

In diesem Jahr hingegen bin ich mir nicht ganz sicher ob des Adjektivs, das zu verwenden wäre. Es fällt nämlich leider nicht so eindeutig aus. Nicht etwa, weil der Zustand des Kindes nicht ebenso eindeutig zu bestimmen wäre, sondern weil es kein perfekt passendes Adjektiv gibt. In diesem Jahr ist mein Kind nämlich „sandig“ und/oder „knirschend“. Beides beschreibt aber nur sehr ungenau, was eigentlich gemeint ist.

Natürlich ist das Kind nicht ständig am ganzen Körper mit Sand bedeckt. Und es knirscht auch sehr selten, außer, wenn sich der Sandkastensand mal mit in die Zähne verirrt hat. Aber es ist Sand. Überall. Als Mutter wird man ja pfiffig, erst Recht, wenn man nicht so auf Putzen steht: Wenn das Kind mal wieder eine exzessive Sand-Erkundung hinter sich hat, wird es zu Hause sofort ins Badezimmer geschleppt, ausgezogen und in die Wanne gesteckt. Dann noch mal die Klamotten ausgeschüttelt, Socken und Schuhe im Besonderen, ab in die Waschmaschine mit dem Zeuch, der Berg Sand an Ort und Stelle wird weggefegt. Und das war‘s dann, denkt sich die unerfahrene Mutter. Tja. Denkste Puppe.

Der Knirps findet nämlich Sand so wichtig, dass er in jeder einzelnen Hosentasche präsent sein muss. Selbst die kleinste „Pocket“ einer Jeans ist entsprechend mit Sand versehen, was mir meist erst dann auffällt, wenn ich die Wäsche aus der Maschine hole, die sandig knirscht.

Selbst, wenn eigentlich gar keine Sandkiste in der Nähe des Knirpses war, ist natürlich völlig klar, dass in Taschen oder Schuhen irgendwie Sand landet. Deswegen findet sich Sand auf der Couch, Sand in der Küche, Sand im Kinderzimmer sowieso, Sand im Schlafzimmer, Sand überall. Ich hege schon den Verdacht, dass Kinder in diesem Alter aus sich selbst heraus Sand produzieren können, aber das ist wahrscheinlich eine zu gewagte These. Hoffe ich.

Advertisements

2 Gedanken zu „Kindervorlieben

  1. Das wird’s sein, warum bin ich nicht auf diese Lösung gekommen, sie produzieren Ihn. Mein Zwerg auch und es ist grausam! Aber Hauptsache er hat seinen Spaß 😉

    • Ja, so ein Berg Sand ist tatsächlich eine andere Bezeichnung für einen Berg Spaß. Vielleicht sollte ich einfach im Kinderzimmer einen Berg Sand auftürmen. Dann weiß ich wenigstens, wo der Sand herkommt …

Gib' Deinen Senf dazu

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s